Family Farming in Indien mittels integrierter Produktionssysteme

                                                                     2014  
 
 

 

Eine Wirtschaftspolitik für eigenständige Dorfgemeinden für ein demokratisches und starkes Indien

Dr. Harendra Nath (Hari) Sharan, Dipl. Masch.-Ing. ETH/SIA und Anandi Sharan

Seit Indien in 1947 unabhängig wurde, hat für Inder und Inderinnen eine enorme allgemeine soziale Verbesserung stattgefunden: auch den Ärmsten geht es jetzt besser als ihren Eltern vor 30 Jahren. Die Reichen sind reicher geworden und es gibt immer mehr von ihnen. Dem Bürgertum ist es auch noch nie besser gegangen. Doch gleichzeitig aber ist die Anzahl der armen Menschen gewachsen; sie leiden an einem Mangel an gerechter und würdiger Arbeit und an einen Mangel an Infrastruktur, die beide für eine faire und demokratische Gesellschaft unentbehrlich sind: gesicherte Arbeitsplätze und gesicherte Einkommen, gesunde Ernährung, sauberen Brennstoff zum Kochen und sauberes Trinkwasser, ein funktionierendes Gesundheitswesen und hygienische Einrichtungen im Haus, am Arbeitsplatz und in der Gemeinschaft; Elektrizität; Beleuchtung; Bildung und fachliche Fähigkeiten. Trotz Erfolgen in anderen Sektoren sind dies erhebliche Mängel. So ist es schwierig, den Glauben an die Demokratie, an die soziale Stabilität und an den Frieden in Indien zu bewahren; es sei denn, die Probleme der indischen Arbeiter die hauptsächlich in ländlichen Gegenden Indiens wohnen, werden gelöst.

        

Das globale Entwicklungsmodell der Nachkriegszeit und die neoliberale Wirtschaftspolitik seit dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts haben offensichtlich keine Lösungen im Kampf gegen die Armut gefunden: ein gerechteres und nachhaltigeres nationales Entwicklungsmodell ist unerlässlich. Das neue Entwicklungsmodell muss von einem dezentralen Staat geführt werden, der Gandhis Vision von eigenständigen Dörfern mit modernen dezentralen Technologien kombiniert. Die neuen Bewegungen der Arbeiter und Bürger in Indien fordern nun ein politisch-ökonomisches System à la Schweiz, das auf Gemeindeautonomie beruht - ein System, das in der indischen Verfassung zwar verankert ist, aber politisch zu wenig durchgesetzt wird.

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    Mahatma Gandhi     

 

Die Landwirtschaft wird weiterhin das Rückgrat der indischen Gesellschaft sein, vor allem in den bevölkerungsreichen und fruchtbaren nördlichen und östlichen Regionen. Eine Bodenreform für die Dorfbewohner Indiens, die mehrheitlich landlos sind oder zu wenig Land besitzen, um damit ein würdiges Leben führen zu können, ist unerlässlich. Dazu brauchen solche Kleinbauern mehr Kapital, idealerweise für eine genossenschaftlich organisierte Form des gemeinsamen Wirtschaftens, Bildung, fachliche Fähigkeiten und kaufmännisches Wissen.
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Modernes ökologisches “Family Farming” fördert erneuerbare Energien; damit kann die Nahrungsmittelproduktion nachhaltig gesteigert werden. Beispiele von solch integrierten Produktionssystemen haben wir in einer Reihe von Dörfern im Bezirk Araria,Bihar, Indien, realisiert.

 

Strom von Biomasse und Solar-Strom ersetzen Diesel und liefern die kleine Menge von kommerzieller Energie, die in einem Dorf eingesetzt wird.

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Das Verbrennen von Diesel trägt zur Umweltverschmutzung bei und stösst Treibhausgase aus. Die Vergasung von Biomasse, die Photovoltaik, und das Biogas erzeugen mit lokalen Ressourcen Strom zu einem niedrigeren Preis als die herkömmlichen Energieträger. Sie ersetzen Diesel und schaffen gleichzeitig lokale Arbeitsplätze und damit mehr Einkommen.

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In den meisten Dörfern in Indien kochen meistens Frauen auf den herkömmlichen “Chullahs”. Der Energieträger ist oft Kuhmist. Der Gebrauch von Kuhmist als Energieträger in solchen ineffzienten Kochkerden ist eine Verschwendung von Energie und Bio-Dünger. Auch wenn landwirtschaftliche Rückstände wie z.B. Stroh benutzt werden, verschmutzen diese Kochherde die Umwelt und gefährden die Gesundheit, da sie Rauch, Russ und giftiges Kohlenmonoxid ausstossen.

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"Family Farming" passt sehr gut in ein solches Modell der integrierten ländlichen Entwicklung. Hier werden lokale Ressourcen genutzt, von Dorfbewohnern verarbeitet und in Waren und Dienstleistungen umgewandelt. So können die Dorfbewohner die Mehrheit ihrer Bedürfnisse selber befriedigen. Die wichtigsten Tätigkeiten sind das Bereitstellen von Bewässerungsanlagen, von Strom für die Beleuchtung und die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen in lokalen Unternehmen. In einer Vielzahl solcher Aktivitäten werden viele Arbeitsplätze geschafften. Viele Dorfbewohner komibinieren so einen Teilzeit-Job mit "Family Farming" auf ihrer eigenen kleinen Parzelle oder als Pächter. Frauen haben mehr Zeit für ihre Kinder oder andere Tätigkeiten, wenn Aufgaben wie der Transport von Wasser und das Sammeln von Brennstoff zum Kochen wegfallen. Wirtschaftlich ist dieses Modell einzigartig. Dank Stromerzeugung in Biomasse-Kraftwerken gewinnen die Dörfer Licht und Wasser. So stellen sie sicher, dass der Grossteil der Erträge der nun produktiveren Landwirtschaft die lokale Wertschöpfung und damit den Wohlstand der Familien, der Gemeinschaft steigert.

"Family Farming" fördert den biologischen Anbau von Lebensmitteln und Gemüse in den Dörfern des Araria-Bezirks, wenn möglich auch integriert mit der Fischerei, mit Obstbäumen, Energieplantagen und mit der Produktion von lokal produzierten biologischen Samen, Bio-Dünger und nachhaltigen Bewässerungssystemen.

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  In dem DESI MANTRA Training Centre in Araria finden Kurse statt, welche die Theorie im Klassenzimmer mit der praktischen Arbeit verbinden. Männer und Frauen werden ausgebildet, damit sie die Verantwortung auf allen technischen Ebenen, sowie in der Landwirtschaft, übernehmen. Ein Beispiel ist das Projekt Selbsthilfe Gruppen (SHGs). In den Dörfern werden Selbsthilfe- Gruppen ausgebildet; sie lernen Pilze züchten und vermarkten.

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Wenn Dorfbewohner sich dieses integrierte Wirtschaftsmodell aneignen können, sind sie nicht mehr gezwungen, als Wanderarbeiter das Überleben ihrer Familien zu sichern. Die Ausbildung vorort ist ein integraler Bestandteil dieses Wirtschaftsmodells. Die Rolle der Arbeiter-Frauen und Männer im Dorf wird gestärkt, ihr grösster Wunsch ist, dass ihre Kinder ein besseres Leben haben werden als ihre Eltern. 

Das Araria Programm, das eben auf diesem dezentralen Modell der ländlichen Entwicklung basiert, hat die maximal mögliche Selbstversorgung an Nahrungsmitteln, Energie, Bewässerung, Trinkwasseraufbereitung zum Ziel. Das schafft viele Arbeitsplätze. Ein solches Wirtschaftsmodell ist  praktisch und wirtschaftlich sinnvoll; es hilft, die miteinander verflochtenen Probleme der Armut, der Energieversorgung und der Klimaänderung erfolgreich anzugehen. Und nun müssen wir uns alle Gedanken machen, wie wir diesen Paradigmawechsel in der Entwicklungspolitik herbeiführen; denn die Macht der Konzerne und der Global Players in der sogenannt freien Marktwirtschaft ist unübersehbar.

 
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Dr. Hari Sharan studierte in England Dipl. Masch.-Ing. ETH/SIA, er pendelt heute zwischen Indien und der Schweiz. Sein Lebensmotto lautet: Erneuerbare Energien für den Frieden!" Hari Sharan ist Preisträger des "The Nuclear-Free Future Award", auf dieser Website wird Hari Sharan näher vorgestellt.

D.E.S.I. Power helps poor villages in India build local power plants and launch micro-enterprises to alleviate poverty.

 
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